Homöopathie

Lebenslauf von Christian Friedrich Samuel Hahnemann


Aus dem Vorwort zur ersten Ausgabe:

"Wüsste ich nicht, zu welcher Absicht ich hier auf Erden war -
selbst möglichst gut zu werden und umher besser zu machen,
was nur in meinen Kräften stand" - ich müsste mich für sehr
weltunklug halten, eine Kunst vor meinem Tode zum gemeinen
Besten hinzugeben, in deren Besitz ich allein war und welche daher,
bei ihrer Verheimlichung, mir fort und fort möglichst einträglich
zum machen, beim mir stand. Indem ich aber der Welt diese
grossen Funde mittheile, bedaure ich, zweifeln zu müssen, ob
meine Zeitgenossen die Folgerichtigkeit dieser meiner Lehren
einsehen, sie sorgfältig nachahmen und den unendlichen daraus
für die leidende Menschheit zu ziehenden Gewinn, welcher aus
der treuen, pünktlichen Befolgung derselben unausbleiblich
hervorgehen muss, erlangen werden - oder ob sie, durch das
Unerhörte mancher dieser Eröffnungen zurückgeschreckt,
sie lieber ungeprüft und unnachgeahmt, also ungenutzt
lassen werden."


10.4.1755







1775
Christian Friedrich Samuel wird in Meissen, Deutschland, geboren als Sohn des Porzellanmalers Christian Gottfried Hahnemann. "Der von den Alchemisten geträumte Goldmachertraum ist zuweilen auf hohnvolle indirekte Weise Wirklichkeit geworden. Die Meissner Tonerde als Ausgangssubstanz der 1708 entdeckten Herstellung des Meissner Porzellans. Schneeweiss und zerbrechlich wie die Gesundheit des Menschen, hängt der Ruhm Meissens zusammen mit dem Verstehen der Geheimnisse in der Natur.

Samuel Hahnemann studiert Medizin und Chemie an der Universität in Erlangen. Er gibt Schriften heraus für Wundärzte mit konkreten Behandlungshinweisen. Er entwickelt die Hygienelehre bei der Wundversorgung und Gesundheitspflege. Ausserdem war er zuständig für die damals in Deutschland verbindlichen Pharmakopoe, dem "Apothekerlexikon". Chemische Studien über das Verhalten der Elemente folgten.

1779 Das Doktorat in Medizin an der Universität in Erlangen erlangt er mit der Dissertation über die "Ursachen und Behandlung von Krampfzuständen". (Conspectus adfectuum spasmodicorum aetiologicus et therapeuticus)

Es folgt die Anwendung von Kalkschwefelleber "Hepar sulfuris Hahnemannii" als Speichelfluss hemmendes Mittel bei der Behandlung der akuten Syphilis. Hahnemann beobachtete, dass sich die gewünschte Heilkraft seiner dynamisierten Arzneien bei zunehmender Verdünnung deutlich schneller, sanfter, gewisser und dauerhafter wirkten, als die häufig zu massiven Gaben seiner Arztkollegen aus der allöopathischen Schule. Diese vergifteten den kranken Menschen systematisch mit Quecksilber, purgierten, liessen zur Ader und schreckten vor nichts zurück. Es herrschten fürchterliche Zustände in der Doktrin und die Verschreibungen bestanden aus unheimlichen Gemischen an Substanzen, deren Wirkung ihm nicht abschätzbar erschien.

1782 "Mercurius solubilis Hahnemannii" - Hahnemann führt ein neues Quecksilberpräparat bei der Behandlung der akuten Syphilis ein. Auf Grund kleinsten Verdünnungen waren die von den Kranken gefürchteten Nebenwirkungen der damaligen Standardbehandlung nicht mehr anzutreffen. Weitere Gaben von Quecksilber waren nach Beginn des "katarrhalischen Fiebers" indes nicht mehr notwendig, um einen günstigen Heilverlauf zu bewirken.

1784 "Anleitung zur Behandlung alter Schäden und faulen Geschwüren", Fisteln, Knochenfäule, Winddorn (Spina ventosa), Krebs, Lungensucht (Tuberkulose), und Glitzschwamm (Weisse Schwellung bei tuberkulöser Gelenksentzündung, Alba dolens).

1788 "Galle und Gallensteine" Das Fäulnis hemmende Mittel Argentum-nitricum (Silbernitrat) wird von ihm in einer Verdünnung von 1:500 zur Konservierung von Fleisch in der Küche eingeführt. "Es nimmt den faulen Geruch". In einer Verdünnung von 1:1000 benutzte er dasselbe deshalb auch als Gurgelwasser bei der Diphtherie.

1789 Hahnemann unterscheidet als erster die Syphilis von der Gonorrhoe, welche bis anhin als eine und dieselbe Krankheit galt. Die Mikrobiologie ist noch unbekannt. Hahnemann publiziert den "Unterricht für Wundärzte über die venerischen Krankheiten, nebst einem neuen Quecksilberpräparate" mit einem Anhang über "Die venerischen Krankheiten neugeborener Kinder". Bereits in diesem einen Werk ist die Homöopathik in ihren Fundamenten bereits vollständig enthalten. Hahnemann gelangen dauerhafte Heilungen bei der Syphilis durch ein künstlich erzeugtes "Merkurialfieber", welches er mit sublimiertem Quecksilber in der kleinstmöglichen Dosis, die dem Patienten nicht schadet, provozierte. (Arzneireaktion, wobei die künstlich induzierte Arzneikrankheit, die ihr ähnliche natürliche Krankheit heilen soll - Similia similibus curantur). Er wendete seine Arzneien allein auf Anweisungen der hippokratischen Ähnlichkeitsregel erfolgreich an, ohne diese zuvor, weder am Gesunden noch an sich selbst, geprüft zu haben.
Kurz darauf veröffentlicht er die Schrift "Thuja als Heilmittel" bei der akuten Gonorrhoe. Im Herbst erscheint eine Studie über das "Prinzipium adstringens bei Pflanzen"

1790 Hahnemann macht den bis heute im Zusammenhang mit der Homöopathie bekannten "Chinarinden-Selbstversuch" und schloss daraus, auf Grund des Ähnlichkeitsgesetzes, dass Chinarinde ein Heilmittel für Wechselfieber sein muss, da er selbst während seinen Versuchen mit dieser Arznei in kleinsten Mengen, Symptome dieser Krankheit erfahren hatte, die sobald er mit der weiteren Einnahme seiner Zubereitung, von selbst wieder verschwanden.
Hahnemann unterbrach frustriert seine praktische Tätigkeit als Arzt, weil er die beobachteten Folgen der Arzneibehandlung nach universitären Anweisungen nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, und weil ihm zu wenig eigenes Erfahrungswissen zur Verfügung standen, seinen Patienten eine heilsamere Behandlung zukommen zu lassen. Ausserdem kam er bei den Apothekern in Verruf, die ihm mit zunehmendem Erfolg seiner Behandlungen, die Herstellung seiner selbst zubereiteten Verdünnungen verboten, ihn deshalb verfolgten und bestraften. Es folgten mehrere Jahre Übersetzertätigkeit medizinischer Abhandlungen, meist Dissertationen aus aller Welt. Hahnemann soll neun alte Sprachen beherrscht haben.

1796 Beinahe gleichzeitig mit dem Beginn der ersten Pockenimpfversuchen am Gesunden von Edward Jenner (1749-1823) veröffentlicht Hahnemann seinen Bericht über das nun durch seine Forschung bestätigte Ähnlichkeitsgesetz bei der Behandlung von Krankheiten. Um seiner Lehre Ausdruck zu verschaffen berichtete er erstmals öffentlich über seine Beobachtungen während dem "Chinarinden-Selbstversuch", den er 1790 vorgenommen hatte. Hahnemann hatte sich bei der Übersetzung der "Materia Medica" von William Cullen (1712-1790) über die Heilwirkung von Chinarinde beim "Wechselfieber" (Malaria) dazu inspirieren lassen, Chinarinde in geringen Dosen regelmässig selbst einzunehmen, um die Wirkung zu beobachten. Similia similibus curantur - Ähnliches ist durch ähnliches zu heilen! Das Jahr 1796 gilt deshalb als "Geburtsjahr" der Homöopathie. (homoion = ähnlich, pathos = krank). Hahnemann grenzte seine Heilmethode dadurch deutlich gegen die vorherrschende allgemeine Lehrmeinung ab, und nannte diese "Allöopathie", was "Gegensätzliches mit Gegensätzlichem heilen" (Contraria contraris) bedeuten soll.

Fünfzig Jahre vor Beginn der akademischen Forschung experimentierte Hahnemann zuerst an sich selbst, später mit seinen Schülern und Freunden mittels "Arzneimittelprüfungen am Gesunden" mit den Heilkräften in der Natur. Akribisch genau dokumentiert er seine Erkenntnisse in den Krankenjournalen. Er gewann zunehmend an Erfahrung bei der Behandlung von Krankheiten, indem er systematisch die Wirkungen verschiedenster Substanzen auf den menschlichen Organismus dokumentierte, und in geeigneter Dosierung, bei entsprechender Symptomatik, hilfreich anwenden konnte. In den selben Jahren begannen ebenso die ersten Versuche am Gesunden, durch künstliche Inokulation von Kuhpockeneiter in den menschlichen Organismus, um die Menschenpocken zu verhindern. Frau Dr. Jenner, verstarb wenige Tage nach der Impfung - der Sohn erlitt einen Entwicklungsstillstand und verstarb geistig zurückgeblieben im 20. Lebensjahr. Sämtliche, häufig tödlichen Folgeerscheinungen und Komplikationen dieser"Übertragungsmethode von tierischem Eiter auf den Menschen" - der im weiteren auf demselben Ähnlichkeitsprinzip beruht - wurden jedoch mit systematischer Konsequenz ignoriert und oder besonders hartnäckig verteidigt, um sich der Verantwortung zu entziehen. Jegliche Zusammenhänge zwischen dem Injizieren von infektiösem Material in den menschlichen oder tierischen Organismus und den selbst unmittelbar oder auch später zu beobachtenden Folgeerscheinungen werden seither bis auf den heutigen Tag konsequent von der Wissenschaft bestritten. Allerdings werden diese weder dokumentiert noch analysiert, obwohl sogar in der Schweiz seit dem 1. Dezember 1987 eine obligatorische Meldepflicht für Impfkomplikationen besteht.

Mit den ersten Impfungen traten naturgemäß auch die ersten Impfkomplikationen auf. Die Kaiserin Maria Theresia in Wien, Herrscherin von Österreich und Ungarn, verlor ihre zwei Töchter Johanna Gabriele und Maria Josepha. Kurz nach der "Inokulation" erkrankten die beiden Kinder schwer und starben an Pocken. Die damalige Impfmethode, bei welcher Pockeneiter gegen die Pocken unter die Haut geritzt wurde, hat man auch "Variolation" genannt. Sie sollte vor der Ansteckung mit Pocken schützen. Erst als die dritte Kaisertochter, Marie Caroline die "Variolation" nicht mehr vornehmen liess, konnte sie gesund dem Kronprinzen Ferdinand von Neapel angetraut werden. Die Beiden verstorbenen Töchter waren ursprünglich zur Hochzeit mit dem Bourbonenkönig vorgesehen und kamen deshalb in den Genuss einer Pockenimpfung. Die genannte Marie Caroline verlor wiederum zwei ihrer Söhne, welche auf erneutes drängen von Ärzten zuliess, dass ihre zwei Buben geimpft wurden. Beide verstarben ebenso nach kurzer, schwerer Krankheit. Die Ärzte wiesen jede Verantwortung von sich und behaupteten, die Todesfälle hätten nichts mit den unmittelbar vorausgegangenen Impfungen zu tun. Sie beschuldigten im Gegenteil die Habsburgerin Marie Caroline, sie habe ihre eigenen Söhne selbst getötet, um dem Bourbonen zu schaden. Der sicherste Weg einen biologischen Organismus mit Viren zu infizieren ist, ihm diese einzuimpfen.

1800 Die Elektrizität und weitere bahnbrechende technische Errungenschaften binden zu Beginn des neuen Jahrhunderts die Aufmerksamkeit der Bevölkerung magisch an sich - Tiefgreifende Veränderung des Weltverständnisses finden in der Gesellschaft statt. Es beginnt das Zeitalter der rationalen Vernunft in allen Lebensgebieten.

1810 "Organon der rationellen Heilkunde nach homöopathischen Gesetzen" von Samuel Hahnemann (1. Auflage) , erscheint

Von 1777 bis 1839 schrieb Hahnemann mehr als 300 selbständige Schriften, Aufsätze, Übersetzungen und Bearbeitungen zu medizinischen Themen.

1811 Reine Arzneimittellehre mit Materia Medica der Antipsorischen Arzneien

1816 Hahnemann beschäftigt sich ununterbrochen mit den unzureichenden Ergebnissen seiner bisher geprüften Arzneien gegen die ihm "noch unbekannte Natur der chronischen Krankheiten". Für Hahnemann stand jedoch fest, dass der Grund nicht beim Ähnlichkeitsgesetz selbst liegen konnte. Bis dahin verwendete er lediglich etwa 50 geprüfte Arzneimittel, deren Wirkung er selbst durch die "Arzneimittelprüfung am Gesunden" erforschte.

"Diese höchst ernste Frage beschäftigte mich seit den Jahren 1816, 1817 bei Tag und Nacht und, siehe! der Geber alles Guten liess mich allmählig in diesem Zeitraume durch unablässiges Nachdenken, unermüdete Forschungen, treue Beobachtungen und die genauesten Versuche das erhabene Rätsel zum Wohle der Menschheit lösen."

1819 "Organon der Heilkunst" 2. Auflage

1821 Die Homöopathik Hahnemanns breitet sich in Windes Eile über die ganze Welt aus bis nach China, Neuseeland und Australien. In Amerika und Indien jedoch erfreute sie sich besonderer Beliebtheit.

1824 "Organon der Heilkunst" 3. und verbesserte Auflage
1826 "Organon der Heilkunst" 4. und verbesserte Auflage
1828 "Organon der Heilkunst" 4. und verbesserte Auflage

1828-1830 Hahnemann feiert seinen 73. Geburtstag. Er lässt sein Lebenswerk, das "Organon der Heilkunst in der 5. erweiterten Auflage neu erscheinen und gibt zusätzlich sein ganzes bisheriges Wissen mit Anweisungen zur Ausübung der Homöopathischen Heilkunst bis in alle Einzelheiten für die Nachwelt preis.

"Die chronischen Krankheiten" erscheinen mit dem Untertitel: "Ihre eigentümliche Natur und homöopathische Heilung"
4 Bände, 1. Auflage - Die Miasmatik der chronischen Krankheiten ist formuliert.

1829 Am 10. August feiert Samuel Hahnemann mit seinen engsten Freunden sein 50 jähriges Doktorjubiläum in Köthen.Gottfried Lehman ist Hahnemanns allöopathischer Assistent in Köthen.

1830 Hahnemanns Frau Henriette Johanna Küchler stirbt in Köthen. Aus der Ehe gingen zehn Töchter und ein Sohn hervor.

1833 Hahnemann veröffentlicht während der Cholera in Europa vier Abhandlungen über die Behandlung von Epidemien. Er setzte Kampfer augenscheinlich erfolgreich als "Heil- und Schutzmittel" ein, weil er verdächtigte, dass die Ursache bei epidemischen Massenerkrankungen bei "unsichtbar kleinen Lebewesen" liegen müsse. Hahnemann war in der praktischen Anwendung seiner Heillehre den meisten "neuen" Entdeckungen der Zeit und selbst dem legendären Franzosen Louis Pasteur um ein Viertel Jahrhundert bei der Behandlung der Infektionskrankheiten voraus. Tatsächlich ist der Kampfer ein kräftiges Desinfektionsmittel und Antibiotikum. Es gelang Hahnemann dadurch das Massensterben an Cholera in den von ihm betreuten Landstrichen auf ein Minimum zu reduzieren. Er verwendete dazu den Kampfer selbstverständlich in einer tieferen Verdünnung zusammen mit weiteren ausgewählten Arzneien. Sein Verdienst ist in diesem Zusammenhang die bereits bekannte Hygienelehre zur Vermeidung von "Ansteckungszunder". Die Lehre selbst geht ebenfalls auf die Antike zurück zur griechischen Göttin "Hygieia". Allerdings wurde Sie besonders im Mittelalter sträflich vernachlässigt. Der Erfolg in der Anwendung der Homöopathischen Heilgesetze erwies sich selbst bei den gefürchteten Infektionskrankheiten als heilsam. Hahnemann Verdienst sind demnach ebenso die wesentlichsten Grundlagen zur Entwicklung der klinischen Bakteriologie gutzuschreiben - bereits 25 Jahre bevor die Existenz von Mikroben im Labor von Louis Pasteur und Robert Koch definitiv bestätigt wurden.

1835 Hahnemann heiratet im stattlichen Alter von 80 Jahren die 35jährige Französin Mélanie d'Hervilly und wandert nach Paris aus, wo er vorwiegend von der feinen Gesellschaft um ärztliche Behandlung gebeten wurde. Einen Wochentag hielt er jedoch weiterhin seine kostenlose Armensprechstunden. Seine Frau Mélanie d'Hervilly wurde die erste praktizierende Homöopathin in der Geschichte der Homöopathie. Sie arbeitete zusammen mit dem Meister in einer gemeinsamen Praxis in Paris, deshalb wurde sie nach seinem Tod zu drei Wochen Gefängnis verurteilt.

1835-1839 "Die chronischen Krankheiten - ihre eigentümliche Natur und homöopathische Heilung" 2. erweiterte Auflage

ab 1821 Die Homöopathik Hahnemanns breitet sich in Windes Eile über die ganze Welt aus bis nach China, Neuseeland und Australien. In Amerika und Indien jedoch feierte sie ihrer grössten Beliebtheit.

1843 Hahnemann stirbt am 2. Juni im 89. Lebensjahr in Paris, an den Folgen einer hartnäckigen Bronchitis. Er wird auf dem Friedhof Montmartre begraben und später nach "Père Lachaise" umgesiedelt.


                                                      Zurück