Homöopathie


Schildau


Schildau liegt ca 13 km von Torgau entfernt. Die Familie Hahnemann hielt sich nur sehr kurz in diesem kleinen Städtchen auf. Für 8000 Taler erwarb „Herr Doctor Samuel Hahnemann, Medicinae Practicus alhier, sonst in Eilenburg und dessen Frau Ehegenoßin, Frau Johanna Henriette Leopoldine geb. Küchler“ am 28. April 1804 ein Bauerngut in Schildau. Das stattliche Gut „am Markte zwischen dem Preilischen Freyguthe und Mstr. Christian Ernst Leuschings Hauße innen gelegene Hauß, Brau und Malzhaus mit Wagenschuppen, einem Seitengebäude, bestehend aus Kuh- und Schafstall, Durchfahrt und Backhauße, nicht minder dem Ziehvieh und Schweinestall, Scheune und Obstgarten worauf 7 erbliche Biere, alljährlicher Rathzins und sonst gewöhnlichen Abgaben haften“ wurde am 26. Juni 1804 übergeben. Neben dem umfangreichen Inventar wie Back- und Braugeräte, einem Rennschlitten, drei Gespannen und Ackergeräten gehörten auch 2 Pferde, 4 Zugochsen, 4 Kühe, ein Kalb, 28 Schafe, 3 Zuchtgänse und Hühner, sowie ca. 40 Hektar Landbesitz. Bis zur Übergabe blieb die Familie Hahnemann in Eilenburg. 100 Taler waren bereits angezahlt, 3900 Taler wurden bei der Übernahme gezahlt und die Zahlung von 4000 Talern wurde für Dezember 1804 vereinbart.

Am 18. Juli 1804 klagte der Verkäufer Johann Christian Reiche gegen Hahnemann wegen Beleidigung. Hahnemann widersprach und legte seine Erklärung durch einen Eid ab. Am 31. Juli 1804 aber verklagte Hahnemann wiederrum den Verkäufer und vier weitere Schildauer, da sie, auf den von ihm erworbenen Feldern Kartoffeln und Kraut angebaut hatten. Der Prozeß zog sich bis noch 1807 hin. Am 6. November sollte Hahnemann zu einem Schwörungstermin nach Schildau kommen, aber am 3. November 1806 schrieb Hahnemann an den Schildauer Landrat: „..Die immer noch stündlich zu erwartenden Durchmärsche und Einquartierungen von Kayserl. Französischen und anderen Truppen machen es auch mir als Besitzer eines ansehnlichen Haußes am hießigen Ort und Vater und Versorger einer sehr zahlreichen Familie zu ganz besonderer Pflicht, dass ich mich auch nicht einen Augenblick aus Ihrer Mitte entfernen, aber aus eben diesem Grunde auch unmöglich, in den vom Ev. Hoch- und Hochwohledl. In Sachsen meiner Inpetrentens entgegen Christian Wilhelm Eichlern und Cons. Impetrentens und H. Johann Christian Rechen Interwenienten wegen von Impetranten zu Kraut und Erdbirnen gedüngten Brachfelder zum 6ten dieses anberaunmten Schwörungstermine erscheinen zu können…“

In dem halben Jahr in dem die Familie in Schildau wohnte, hatte Hahnemann laut den Krankenjournalen D5 nur 92 Konsultationen, ca 90 % der Patienten kamen aus Schildau. Warum die Familie das Gut nach so kurzer Zeit wieder verkaufte ist ungewiß, aber bereits am 24. November 1804 bekam Hahnemann 1000 Taler von dem „Käufer Herr Adv. Christian Salomo Zieger“ und am 31. Dezember wurde der Kaufvertrag unterschrieben. Hahnemann hatte das Gut in Schildau für 8500 Taler verkauft und das „Glühmannische Freyhaus auf der Pfarrgaße zu Torgau“ mit seiner Familie kurz nach Weihnachten bezogen, dessen Vorbesitzer der Käufer des Gutes, Herr Adv. Christian Salomon, war. Ein Tausch hatte stattgefunden.

Was ist heute noch zu sehen?

Dank der Archivarbeit von Herrn Herzog vom Geschichtsverein Torgau kann heute mit großer Sicherheit gesagt werden, dass es sich bei dem „Hahnemannschen“ Gut in Schildau um das heutige Haus am Markt 6 handelt, teilweise sind noch alte Nebengebäude erhalten.

Über Schildau

Schildau ist bekannt, als die Geburtstadt von Neidhardt von Gneisenau (1760- 1831). Gneisenau hat sich einen Namen gemacht als großer Patriot bei den Befreiungskriegen Er war Militär-Reformer des damaligen preußischen Heeres und Initiator der Volksbewegung gegen die Herrschaft Napoleons. 1814 wurde er zum Grafen ernannt, später in den Staatsrat und zum Gouverneur zu Berlin ernannt. 1831 war er Oberbefehlshaber über vier preußische Armeekorps. Er starb am 23. August in Posen an der Cholera. Seit 1952 hat die Stadt Schildau den Beinamen „Gneisenaustadt“.

Lass den Schwächling angstvoll zagen!
Wer um Hohes kämpft, muss wagen.
Leben gilt es oder Tod!
Lass die Wogen donnernd branden,
nur bleib immer, magst Du landen
oder scheitern selbst Pilot!

(Leitspruch des preußischen Generals Graf Neidhardt von Gneisenau)

Schon beim Namen der Stadt denkt man die Schildbürgerstreiche. Was es damit für eine Bewandtnis hat und was es mit der Geschichte vom Rathaus ohne Fenster auf sich hat, oder an die Glocke, die in Kriegszeiten im Teich versenkt wurde oder an die Kuh, die man mit einem Strick um den Hals auf die Mauer ziehen wollte, damit sie das Gras abfräße, darüber kann sich der Besucher im Schildbürgermuseum aufklären lassen. Im Jahre 1598 erschien erstmals das Schildbürgerbuch, in welchem 45 Streiche der „klassischen" Art erzählt werden. Im Museum finden Sie Kurioses und Wissenswertes über Schildau und die Schildbürger.

Auf dem Schildbürgerwanderweg finden Sie an historischen Orten zwölf aufgestellte Bildtafeln, welche die Geschichten der Schildbürger zeigen. 


C.S.


                                                          Zurück